Wieder einmal beschenkte uns die Städtepartnerschaft zwischen Vlotho und Aubigny mit einem erfüllenden, fröhlichen – und viel zu kurzen! – Wochenende ganz im Zeichen der Freundschaft. Von Donnerstag bis Sonntag, 14. bis 17. Mai, empfingen wir vom Vlothoer Partnerschaftsverein unsere Freundinnen und Freunde aus Aubigny in der Weserstadt. Dieses Mal reiste eine 30-köpfige Besuchergruppe mit dem Bus an. Darunter waren leider nur wenige Jugendliche.
Nach der Ankunft am Donnerstagabend ging es sofort in die Gastfamilien, wo es einen Imbiss gab und viele die Chance nutzten, sich nach der anstrengenden Busfahrt früh zur Ruhe zu begeben. Viele Freundschaften, die alljährlich bei den Besuchsfahrten gepflegt werden, bestehen bereits seit vielen Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten. Gleichwohl beteiligen sich jedes Jahr wieder „Neulinge“ an den Besuchsfahrten – auf der Gastgebenden- genauso wie auf der Seite der Gäste. Auch dieses Mal lernten sich deswegen Menschen aus Aubigny und Vlotho neu kennen. Das Tolle daran ist: Spätestens am Abend des zweiten Besuchstages merkt man davon nichts mehr, und es sind echte freundschaftliche Verbindungen entstanden.
Moore sind wahre Klimaretter
Einer der Höhepunkte einer jeden Besuchsfahrt ist der große Tagesausflug. Am Freitag trafen sich 57 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Bahnhof Vlotho und fuhren mit zwei Bussen nach Uchte zum Großen Uchter Moor. Mit der urigen Moorbahn ging es in diese durch den menschlichen Torfabbau geformte Wunderlandschaft mit ihrer einzigartigen Fauna und Flora. Fachkundige Führer erläuterten, wie im Moor einst industriell Torf abgebaut wurde und welche Folgen die dazu notwendige Trockenlegung für die globale Klimakrise hat. Denn Moore sind wahre Klimaretter. Alle Moore weltweit speichern doppelt so viel Kohlendioxid wie die Wälder. Aber Moore sind gefährdet. Deutschland war früher zu fünf Prozent damit bedeckt. Nun sind rund 95 Prozent dieser Moore zerstört.
Nach dem Besuch im Moor reiste unsere Gruppe, der sich auch Vlothos Bürgermeister Rocco Wilken angeschlossen hatte, weiter zum Spargelhof Winkelmann in der Nähe von Rahden. Dort genossen wir die Spezialitäten auf dem großen Buffet. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich das „weiße Gold“ in allen denkbaren Zubereitungsformen.

Der Samstag bietet beim Partnerschaftsbesuch traditionell viel Raum für Aktivitäten in Familien. So schlossen sich einige Teilnehmende zusammen und unternahmen eine Schifffahrt auf dem Wasserstraßenkreuz in Minden. Andere frühstückten im Alten Bahnhof in Vlotho und besuchten dann das Heimatmuseum in der Kulturfabrik. Barbara Büschenfeld vom Heimatverein führte die interessierten französischen und deutschen Besuchenden kundig durch die attraktive Ausstellung zur jüngeren Vlothoer Geschichte. Natürlich nahmen die Gäste vom Partnerschaftsverein auch in den engen Bänken der alten Schulklasse Platz. Beim abschließenden Abschiedsabend im Evangelischen Gemeindezentrum in Uffeln berichteten weitere Familien von Ausflügen nach Lemgo und Bückeburg.
Der Abschiedsabend wurde erstmals im Evangelischen Gemeindezentrum nahe der Buhnstraße ausgerichtet. Der große Veranstaltungsraum erwies sich als hervorragend geeignet für einen geselligen Abend bei Gegrilltem und guten Getränken. Daran beteiligte sich auch „Hausherrin“ Renate Wefers, die selbst Gäste aus Aubigny empfangen hatte.
Städtefreundschaften wachsen über persönliche Begegnungen
Florence Semence als Vorsitzende des „comité de jumelage“ in Aubigny und unsere Vlothoer Vorsitzende Anja Heilmann nutzten ihre Grußworte dazu, die Bedeutung der persönlichen Begegnungen für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland hervorzuheben. Beide freuten sich, dass Aubigny und Vlotho nun bereits seit fast vier Jahrzehnten beweisen, dass echte Freundschaft zwischen zwei Städten und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern wachsen kann. Natürlich freuten wir uns auch wechselseitig über kleine Geschenke, die die beiden Vorsitzenden dem jeweils anderen Verein überreichten.
Ein ganz besonderes Erlebnis war für alle Beteiligten eine interaktive Tanzkreation, zu der sie von der Compagnie Poupées Russes animiert wurden. Drei Mitglieder des auch in Aubigny aktiven Ensembles für freie Theater- und Tanzprojekte waren Teil der Reisegruppe aus Aubigny und entwickelten nun mit den begeisterten Mitwirkenden eine kleine Choreografie, in der die wichtigsten Elemente des Partnerschaftswochenendes dargestellt wurden. Dazu zählten beispielsweise die Begegnungen, Gespräche und natürlich das Essen. All dies wurde in Gesten umgesetzt und schließlich zu Walzerklängen getanzt.
„Compagnie Poupées Russes“ rannte offene Türen ein
Die Beteiligung der „Poupées Russes“ gab der Besuchsfahrt eine besondere Note. Die drei Künstlerinnen und Künstler Salomé Elhadad Ramon, Charlotte Roulland und Leandre Ruiz Dalaine wollten Vlotho, seine Bewohnerinnen und Bewohner und sein kulturelles Leben kennenlernen, weil sie ein deutsch-französisches Kooperationsprojekt mit hiesigen Institutionen initiieren möchten. Das alles soll im Zusammenhang damit geschehen, dass das nahe Aubigny gelegene Bourges im Jahr 2028 europäische Kulturhauptstadt wird.
Wir vom Partnerschaftsverein hatten im Vorfeld bei möglichen Kooperationspartnern angefragt und waren hoch erfreut, dass wir bzw. die Poupées Russes überall offene Türen einrannten. Dies begann damit, dass das Gesamteuropäische Studienwerk unbürokratisch Übernachtungsplätze bereitstellte und auch anbot, sich in die Realisierung möglicher gemeinsamer Projekte einzubringen.

Am Samstag kam es dann zu einem so inspirierenden wie bewegenden ersten Treffen mit Peter Ausländer, Gunnar Deutschmann und Anja Plöger in Peter Ausländers Ausstellung historischer Instrumente. Gemeinsam warfen sich die französischen Gäste mit dem Gastgeber, der das Vlothoer und das regionale Kulturleben in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt hat, sowie dem Musiklehrer und Theater-AG-Leiter an der Weser-Sekundarschule, Gunnar Deutschmann, und der Leiterin der Jugendkunstschule Vlotho, Anja Plöger, unzählige Ideen zu, wie und in welcher Form eine Kooperation gestaltet werden könnte.
Vom Partnerschaftsverein waren wir mit Raymonde und Eric Cherlet sowie Ulrich Klose dabei. Hier und da durften wir mit Übersetzungen behilflich sein. Über weite Teile des Treffens war dies aber gar nicht zwingend nötig. Die anwesenden Kreativen fanden schnell eine gemeinsame Basis über die Sprachbarriere hinweg. Und so schloss das Treffen nach fast drei Stunden mit der Feststellung, dass alle Beteiligten gemeinsame Kulturprojekte angehen möchten. Wir sind schon ganz gespannt, was aus diesem ersten Treffen entstehen könnte!
